ZEV, virtueller ZEV, LEG und EVG – Was ist was und wo liegen die Unterschiede?

von Marc Schultheiss am 25. Februar 2026

Stellen Sie sich vor, Sie produzieren mit einer Solaranlage auf dem Dach Ihren eigenen Strom. Den können Sie direkt im Gebäude nutzen – das nennt man Eigenverbrauch. Oft produziert die Anlage aber mehr, als gerade im Moment gebraucht wird. Diesen Überschuss ins öffentliche Netz einzuspeisen ist möglich, aber meist wirtschaftlich weniger attraktiv als lokaler Verbrauch.

Gerade in Mehrparteienhäusern (Mietliegenschaften, Stockwerkeigentum, gemischte Nutzung) stellt sich deshalb die Praxisfrage: "Wie kann lokal produzierter Strom mit möglichst wenig Administrationsaufwand und rechtlich korrekt zugeteilt und abgerechnet werden?"

Dafür stehen in der Schweiz mehrere Modelle zur Verfügung: ZEV, virtueller ZEV (vZEV) und LEG. Die Begriffe EVG und Praxismodell tauchen teils ebenfalls auf, sind aber weniger klar definiert.

Warum sind diese Modelle für Eigentümerschaften & Verwaltungen relevant?

  • Kostenersparnis für Bewohnende/Nutzende: Solarstrom vom Dach ist in der Regel günstiger als Netzstrom.
  • Bessere Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage: Mehr Eigenverbrauch bedeutet weniger Einspeisung zu tiefen Vergütungspreisen.
  • Transparente, nachvollziehbare Abrechnung: Klare Mess- und Abrechnungslogik reduziert Konflikte (Mieterwechsel, Leerstände, Gewerbeanteile).
  • Planbarkeit für STWEG & Verwaltungen: Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozesse werden definierbar.

Möchten Sie wissen, welches Modell in Ihrer Liegenschaft technisch und organisatorisch am sinnvollsten ist? Wir prüfen das gerne anhand Ihrer Situation (Zählerkonzept, Parteienstruktur, Verbrauchsprofile, PV-Potenzial).

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ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch)

Kurzdefinition:

Ein ZEV ist ein Zusammenschluss mehrerer Verbrauchsparteien zur gemeinsamen Nutzung lokal produzierten Stroms am Ort der Produktion. In der Praxis ist das typischerweise ein Mehrfamilienhaus. Ein ZEV funktioniert grundsätzlich hinter einem gemeinsamen (Haus-)Anschlusspunkt (HAK). Gegenüber dem Verteilnetzbetreiber (VNB) tritt der ZEV wie ein einziger Endverbraucher auf.

Messung und Abrechnung:

  • Das Elektrizitätswerk misst den Strombezug und -einspeisung am HAK des ZEV und rechnet diesen entsprechend ab.
  • Der ZEV ist selbst für die Abrechnung innerhalb des ZEV zuständig. Es werden zusätzliche private Zähler eingesetzt.

So funktioniert es:

  1. PV produziert Strom
  2. zuerst Verbrauch im Haus (Wohnungen/Allgemeinstrom/EV-Ladung)
  3. Überschusslieferung ins Netz
  4. fehlender Strom kommt automatisch aus dem Netz

Virtueller ZEV (vZEV, seit dem 01.01.2025 möglich)

Kurzdefinition:

Der vZEV verfolgt dasselbe Ziel wie der ZEV (lokal produzierten Strom gemeinschaftlich nutzen), ist aber flexibler: Er kann über mehrere Messpunkte laufen, die vom Verteilnetzbetreiber zu einem virtuellen Messpunkt aggregiert werden. Ein ZEV ist typischerweise “innerhalb” eines Gebäudes oder einer Parzelle beschränkt. Ein vZEV kann auch auf die Nachbarschaft ausgeweitet werden, solange diese am gleichen Verteilungskasten angeschlossen sind.

Messung und Abrechnung:

  • Messung und Abrechnung sind üblicherweise privat organisiert.
  • Wenn bei allen Verbrauchern und Erzeugern Smart Meter (Zähler) vorhanden sind, ist keine zusätzliche Infrastruktur notwendig. Es wird das Netz des Verteilnetzbetreibers mitgenutzt. 
  • Alle Parteien müssen hinter dem gleichen Verknüpfungspunkt des Niederspannungsnetzes ("Quartierebene") liegen.

LEG (Lokale Elektrizitätsgemeinschaft)

Kurzdefinition:

Eine LEG ermöglicht, lokal erzeugte erneuerbare Elektrizität unter Nutzung des öffentlichen Verteilnetzes innerhalb einer Gemeinschaft (Quartier, Gemeinde) auszutauschen. Im Unterschied zum ZEV/vZEV ist LEG-Strom nicht “ohne Netz” an die Teilnehmenden verteilbar, sondern wird über das Netz des Verteilnetzbetreibers geliefert. Dafür gibt es (für den innerhalb der LEG ausgetauschten Strom) einen reduzierten Netznutzungstarif. Die Parteien der LEG müssen hinter dem gleichen Verknüpfungspunkt des Mittelspannungsnetzes liegen.

Messung und Abrechnung:

  • Alle Teilnehmenden brauchen ein intelligentes Messsystem (Smart Meter/iMS) (Teilnahmevoraussetzung).
  • Der Verteilnetzbetreiber ermittelt die innerhalb der LEG ausgetauschten Energiemengen auf Basis von 15-Minuten-Lastgangwerten und rechnet die Netznutzung entsprechend ab. Die Abrechnung innerhalb des LEG ist je nach VNB unterschiedlich geregelt.
  • Alle Parteien müssen hinter dem gleichen Verknüpfungspunkt des Niederspannungsnetzes ("Gemeindeebene") liegen.

Zeitlicher Hinweis:

LEGs sind erst seit dem 1.1.2026 möglich. Ob der lokale VNB diesen Dienst schon anbietet und wie die Umsetzung im Detail erfolgt, muss fallspezifisch abgeklärt werden.

EVG (Eigenverbrauchsgemeinschaft, Praxismodell)

Kurzdefinition:

Die EVG funktioniert im Prinzip gleich wie der ZEV und vZEV. Im Unterschied zum ZEV und vZEV erfolgt die Strommessung und -abrechnung beim Modell EVG komplett über das lokale Elektrizitätswerk. Üblicherweise ist die EVG die einfachere Lösung, da keine Investitionen in die Messinfrastruktur nötig sind und der administrative Mehraufwand für die Abrechnung liegt beim Verteilnetzbetreiber.

Begrifflichkeit:

Der Begriff Eigenverbrauchsgemeinschaft ist veraltet, wird aber von einigen Elektrizitätswerken immer noch verwendet. Gebräuchlich ist auch der Begriff Praxismodell als Alternative zu EVG.

Messung und Abrechnung:

  • Messung und Abrechnung ist über den Verteilnetzbetreiber organisiert. Jeder VNB hat seine eigenen Konditionen.
  • Wenn bei allen Verbrauchern und Erzeugern Smart Meter (Zähler) vorhanden sind, ist keine zusätzliche Infrastruktur notwendig. Es wird das Netz des Verteilnetzbetreibers mitgenutzt. 
  • Alle Parteien müssen hinter dem gleichen Verknüpfungspunkt des Niederspannungsnetzes ("Quartierebene") liegen.

Sie haben Fragen?

Sie interessieren sich für eine Photovoltaikanlage und möchten den Solarstrom mit Ihrer Nachbarschaft gemeinsam nutzen? Gerne beraten wir Sie zum besten Modell in Ihrem Fall und klären ab, was bei Ihrem Netzanbieter schon möglich ist. 

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